Modellbauaustellung zu Erfurt, 26.09.2009


Es war wieder Ausstellung am letzten Septemberwochenende in Erfurt. Und ich das zweite mal dabei.

Da ich Überstundenabbummeln verordnet bekommen hatte, konnte ich am Donnerstag noch eifrig die letzten Vorbereitungen bezüglich meines Dioramas treffen, die Männel fertig anpinseln, den Saurierkopf ankleben etc.

So kams dann, dass ich am Freitag natürlich später als gedacht losgekommen bin. Beim Einpacken fiel mir auf, daß die große schwarze Decke, die ich sonst als Unterlage wegen des Kontrastes zu den hellen Knochen nehme, wohl zu Hause in Guben geblieben ist. Zum Glück hatte ich ja noch die dunkelblaue British Airways Decke, die ich damals hab mitgehen lassen. Mittlerweile habe ich aber festgestellt, daß sie doch da gewesen wäre. Beim Einladen habe ich mit der Dioramavitrine einen Kratzer ins Auto gemacht und bin im Auto mit dem Finger auf meinen Frosch gekippt. Der war dann erstmal kaputt. Tolle Banane! Der Schultergürtel war abgebrochen, drei Finger auseinander, ein Arm und ein Bein entzwei und beim Uboot war eine Antenne abgebrochen. So ein Mist!

Naja, es war nicht zu ändern und so machte ich mich denn auf den Weg, dem Sonnenaufgange entgegen. So gegen halb sieben und im Scheine der Abenddämmerung bin ich in der "Straße der DSF" zu Gamstädt angekommen. Straße der Deutsch Sowjetischen Freundschaft..da ist die Zeit stehen geblieben.

Ich ging die Landstraße kurz auf und dann wieder ab und stand dann vor einem quittegelben Häuschen mit vielen Blumen und allerlei anderem,was mir nicht in Erinnerung geblieben ist. Ich klingelte. Ein betagter Herr mit runden, sympathischen Gesicht und leichter Brille öffnete, ich stellte mich kurz vor und wir plauschten ein wenig. Er zeigte mir, wo ich parken kann. Zwischendurch fragte er mich nach meinen Frühstückswünschen.

"Mit Wurst, Käse?"
"Käse reicht"
"Also kein Käse"
"Doch schon, nur Wurst muß nicht sein"
"Ahh, Salami?"
"Ja, ist gut nen bißchen Wurst und Käse"...

So standen wir rum, plauschten und er warf einen Appelgriebsch zu Nachbars Hühner, die sich sofort wie Bestien darauf stürzten und den Griebsch in Stücke rissen.

Ich holte also meinen Wagen, stellte ihn ab, holte meinen Rucksack raus und wir gingen zum Häuschen zurück. Dieses war für kleine Menschen gebaut und so trat ich gesenkten Hauptes ein und ein bekannter Geruch drang mir in die Nase. Es roch wie in diesem kleinen Wohnwagen in Ramarama, NZ, in dem ich für eine Woche hauste. Es war der Geruch feuchtklammen Holzes. Zwei Meter weiter roch es aber nicht mehr danach. Stattdessen zeigte die Inneneinrichtung einen etwas ins kitschige und überkandiedelt gehenden Geschmack der Dame des Hauses. Sie war nicht minder nett und ich fühlte mich wohl aufgehoben. Aber ich glaube, die Thüringer hatten Probleme mit meinem preußischen Dialekt, was mich auf den Gedanken brachte nach Dialektgrenzen zu forschen.

Nun denn, das Zimmer war klein, ein Tischchen, ein Stuhl, ein Bett mit weißem Bezug auf dem sich rote Kreise tummelten, ein Fernseher mit komplizierter Bedienung, ein kleines Fenster und ein kleines Waschbecken waren darin untergebracht. Das geräumige, saubere Bad war nebenan. Frühstück gab es in einen kleinen, lichtdurchfluteten Eßzimmer ein Stockwerk höher. Die Fensterbretter waren komplett mit Blumen und anderen Assesscoires zugestellt. Ich zeigte meine außerordentliche Zufriedenheit zur Zufriedenheit der Gastgeber und begab mich in meine Kemenate. Meinen Frosch holte ich mir noch rein und dabei stellte ich fest, dass ich meine Jacke vergessen hatte. Nun, dabei sollte es nicht bleiben. Den restlichen Abend widmete ich mich also mit Enthusiasmus der Reparatur des Frosches und dem Ausschnibbeln von 90 Spitzahornblättern.

Den nächsten Morgen saß ich mit einem Pärchen am Frühstückstisch, bei dem der Mann in Guben gelernt hatte und der Herr des Hauses sich des Geburtstages von Wilhelm Pieck erinnern konnte. Guben - die Weltstadt eben. Nach dem reichlichen Frühstück, bei dem ich alle 4 Brötchen verputzte, fuhr ich zur Ausstellung. Am Tor stellte ich dann fest, dass ich die falschen Briefumschläge eingepackt hatte, aber den mit dem Ausstellerausweis und der Ausstellungsplatzzuweisung nicht. Und es deuchte mir, dass ich ja kein Stuhl dabei hatte. Aber der Alex läßt sich von soetwas nicht unterkriegen.

Ich hielt zuerst an Halle 3 an und stellte fest, dass ich da nicht untergebracht bin, sondern die andere sich dort eingerichtet hatten. So blieb nur noch Halle 4. Die genaue Platzinformation besorgte ich mir bei einem befreundeten Modellkollegen und einen Stuhl schlauchte ich von meinen Platznachbarn.

Ich wanderte nach dem Aufstellen übers Gelände und freute mich der vielen schönen farbenprächtigen Blumen und über all die schönen Motive, die da auf mich warteten. In der Halle 1 Hallen waren die fahr- und flugtüchtigen Modelle untergebracht, die Eisenbahnfans in Halle 2 - dort roch es am zweiten Tag wie in einer Männerumkleide und in der dritter Halle waren die Wargamer.

Zurück in Halle 4 plauschte ich mit Bekannten und nachdem ich mir die bereits erwähnte Sitzgelegenheit ergattert hatte, denn der Nachbarstand war meist nur von einem besetzt, konnte ich mich wieder hemmungslos dem Schnibbeln widmen. 120 Blätter schaffte ich.

Die ersten Besucher ließen nicht lange auf sich warten. Und es waren wieder die Frauen und die Kinder, die sich besonders für meinen Zoo interessierten. Neugierig die Kinder, zumeist in Augenhöhe mit den Augenlosen. Ich konnte in den Gesichtern der Kinder sehen, wie die Kleinen versuchten zu verstehen, das Bild des lebenden Tieres mit dem Anblick des Skelettes zu verbinden. Mein Conchoraptor graciles wurde oft als fälschlich Langhalsdino bezeichnet-damit waren wohl Sauropoden gemeint. Das kommt wohl aus dem Film "Ein Land vor unserer Zeit" wie mir meine Nachbarin sagte. Letztes Jahr waren alles einfach nur Dinoskelette - diesmal waren es schon Fossilien, der Dino auch als solches erkannt und die anderen als etwas anderes. Nur mit dem Namen taten sich alle schwer. Ich hatte meine Freude daran.

Die Erwachsenen fragten häufig nach der Echtheit der Knochen und es gab allerlei Lob bzgl. des Fingerspitzengefühls, das notwendig sein muß. Da hab ich dann gleich von der Blätterschnibbelei erzählt. Auch bei den Erwachsenen huschten die Blicke manchmal distanziert, angeekelt, ungläubig und dann wieder interessiert und staunend über die Ausstellungsstücke hinweg. Manche hielten Distanz und trauten sich nicht heran. So mußte ich sie ansprechen und anlocken. Und dann kamen sie auch und die Neugier überwog. Der Igel kam besonders gut an und die Maus, die auch als "süß" bezeichnet wurde, obwohl der halbe Hirnkasten fehlt. Es gab also viele Aaas und Ooos und "Guck mal, ein Uboot". Ich war also zufrieden und fühlte mich ausgiebig auf den Bauch geklatscht.

Zwischendurch hatte ich mein Huhn und das Panzerdiorama für das ich die Blätter ausschnitt zur Bewertung für den Wettbewerb abgegeben. Ich war gespannt, ob das Huhn anerkannt und auch belohnt wird.

Zwischendurch war immer wieder Zeit für einen Rundgang durch die Blumen, dem Genuß der Septembersonne, einer Bratwurst oder einfach nur fürs Beine vertreten. Dann und wann nervte ein ein Typ mit einem eher grob gehaltenen Pz IV Ausf. J in 1:5, welchen er lärmend durch die Halle kutschiert, den MG-Sound peinlich rattern und draußen die Kanone knallen ließ. So verging die Zeit recht flott und nachdem der erste Ausstellungsstag rum war, spendierte der Verein eine Bratwurst und ein Getränk. Dazu mußte ich mir zwar einen Ausstellerausweis ausleihen, aber das ging alles unbemerkt unter der Hand vonstatten.

Den Abend verbrachte ich beim dicken Bruno, seinem Bruder und einen weiteren Modellbauer im Zelt. Ein uriger Typ dieser Bruno. Sein Bruder grillte und es gab lecker Wurst, Fleisch und Kartoffelsalat. Ein junger Zivilflugzeugemodellbauer aus Bremerhaven saß auch wieder mit dabei und erzählte am laufenden Band. Das hatte ich schon befürchtet und vorher sicherheitshalber einen anderen Modellbaufreund wegen eines Kinobesuches gefragt, doch der bekam leider Besuch von seiner Maid.

Gegen 2300 war ich dann wieder zu Hause und widmete mich der Schnibbelei der letzten 90 Blätter und nebenher lief "Ein Fisch namens Wanda" auf arte.

Am nächsten Morgen frühstückte ich allein und wieder reichlich, zahlte meine Zeche, bedankte mich und fuhr wieder zur Ausstellung. Irgendwie kam es mir so vor, als wäre mehr Betrieb als am Vortag und so lächelte ich die Vorbeigehenden an, machte "Uahahahahahaauahah!" zu den geekelt guckenden Besuchern und freute mich der Reaktionen der Kinder. Ein Kind fragte sein Geschwister: „Ist das ein Dinosaurier?“ „Aber das siehste doch“ war die verständnislose Antwort. Ein Kind machte ein recht schlauen Eindruck und hatte auch keine Mühe, sich die Namen durchzulesen. Eines erzählte von der Katze bei seiner Oma Heidi. Aber ohne Pointe blieb bei Oma Heidi aus.

An meinem E 10 Panzerdiorama hatte ich noch ein Zettel dazugelegt, auf dem geschrieben stand:
"Achtung Suchdiorama! Finden sie 2 große, 4 kleine Fische, eine Schildkröte und eine Drossel"
Das zog und auch die Damen sahen sich das Diorama an. Aber weil die kleinen Fischlein mit 5 mm Größe doch etwas klein sind, habe ich große Pfeile ausgeschnitten und hinzugelegt. Manche haben selbst die Pfeile übersehen..Aber geguckt wurde allemal.

Eine Stunde vor Schluß wurden die Ergebnisse des Wettbewerbs bekannt gegeben. In der Kategorie Militärfahrzeuge Eigenbau gab es zwei Teilnehmer und zweimal Gold. Ich war einer davon. Juhuu! Und dann hieß es: "Alexander Bähr erhält Silber für sein Huhn". Das hörte sich wunderbar an.

Es hat sich sich also wieder gelohnt. Im nächsten Jahr gebe ich dann das Diorama in den Wettbewerb und hoffe erneut auf das edelste Metall. Und ich werde mich kümmern die beiden Uboote fertig zu stellen und den Saurier zumindest mit Händen und Füßen auszustatten. Was man nicht alles für Bewunderungen tut!

Beim Einpacken schlug mir der Organisator der Ausstellung vor, nächstes Jahr nach Regensburg zur Ausstellung des dortigen Clubs zu fahren. Ob ich noch zum Ausstellungsjunkie werde? In Castra Regina war ja noch nicht.

Also eingepackt und in Richtung Süden zur A4 gefahren. Leider verpennte ich das Kreuz Erfurt und nach 15km kam es mir zu spanisch vor und ich nutzte die nächste Abfahrt zum Richtungswechsel.

Ergo: Auch wenn ich bis auf die Modelle so ziemlich alle anderen wichtigen Dinge vergessen hatte, war es ein rundrum gelungenen Wochenende und ich freu mich schon auf die nächste ausstellung in Erfurt. Diesmal hoffentlich mit mehr neuen Modellen.