Des Bären erste Italienreise, Juli 2008

Anno Domini MMVIII beschlossen mein alter Kindergartenfreund Marco und ich, nach Italien zu reisen. Ein Rundfahrt bis zur ewigen Stadt und zurück sollte es werden. Und das geschah:

So, 13.07.2008, 04:00
Der Wecker klingelt, ich mache ihn wieder aus und - oh schreck - schlummere wieder ein.

So, 13.07.2008, 05:00
950 km, Guben - Schlagsdorf - München - Insbruck - Brenner - Molveno

Der Wecker klingelt wie das Telefon- oh nein, es ist das Telefon! Marcos Stimme klingt forsch fordernd: "Bär, wo bistn Du? Pennst Du noch?" Oje, oje, da bin ich doch tatsächlich wieder eingenickt und habe auch die Steinchen am Fenster nicht einschlagen hören. Aber zum Glück steht alles schon bereit und nach einer Viertelstunde gehts los mit Gebrumm und wie der Sausewind nach Bella Italia, ins Ex-Imperium Romanum.
Aber zuerst beginnt es ab Chemnitz zu regnen und wird auch nicht aufhören wollen, selbst als wir den Kanister in den Tank entleeren strömt es von oben herab und wir haben natürlich keinen Regenschirm dabei. Dafür aber leichte Jacken, die zwar nicht gerade regenabweisend sind, aber reichen müssen. Von den Alpen ist nicht viel zu sehen, da uns die Wolken frech mit sich und mit ihrem Regen die Sicht versperren. In Molveno, unserem Tagesziel, bessert sich das Wetter und nach 3 Anläufen finden wir auch eine Pension. Da es So ist, flanieren die Italiener fleißig am künstlichen Bergsee umher und wir gucken uns das an. Am Abend haben wir ne Runde gepokert, Endstand: 0:2 für mich.

Mo, 14.07.2008
390 km, Molveno - Padua- (Ferrara) - Ravenna

Vor 319 Jahren bestürmten die Pariser ihre Bastille. Wir haben gar nicht daran gedacht und wollen nach dem Frühstück losfahren, als uns beinahe der Hotelier (Pansoinist) ins Auto springt und wild gestikuliert. Achja, damals, die französische Revolution, stimmt ja - oder meinte er doch etwas anderes? Und das tat er. Sie hatten uns beim Auschecken nicht unsere Ausweise wiedergegeben, wir haben das nicht bemerkt und auch nicht daran gedacht. Nun war ja alles wieder gut und wir schraubten uns über die Serpentinen zurück auf die Autobahn nach Padua.
Die Alpen endeten ganz plötzlich, auf einmal gab es links und rechts keine Berge mehr, sondern flaches Land. In Padua machte wir einen Stopp, besahen uns die Stadt und besuchten das Innere eines Gotteshauses. Am Auto wechselte ich die lange gegen eine kurze Hose und dabei muß mir die Digicam vom Gürtel gefallen sein. Und ich dachte, dass Bumm war die Gürtelschnallen die gegen das Auto gerummst ist. Aber das alles fiel mir erst 300 km weiter, kurz vor Ravenna auf. Ich hatte ja zum Glück noch meine analoge Kamera.
Unterwegs spielte uns die italiensche Laxheit bzgl. der Ausschilderung einen Streich, so das wir bei Ferrara quasi einen großen Kreis gefahren sind, bevor wir die Abfahrt nach Ravenna fanden. In Meeresnähe fanden wir einen Zeltplatz und haben in einer Ecke einen Platz bekommen. Das war ausgerechnet noch die Ecke, über die wir spaßten und meinten, dass wär ein Ding, wenn die uns da hinstellen würden. Aber nicht so wild und bald planschten wir quietschvergnügt in der Adria. Dann kam Wind auf und fegte allerlei Sand über den Strand, so daß wir uns in Namibia bei den Wanderdünen wähnten. Ein kleines Experiment mit meinem Fuß konnte meien Theorie der Sanddünenbewegung bestätigen. Am Abend haben wir wieder eine Runde gepokert, Endstand: 0:4 für mich.

Di, 14.07.2008
228 km, Ravenna - S.al Rubicone - Gubbio

In Ravenna erwartete ich ungeduldig die ersten bombastischen Highlights der Reise: Die spätantiken Mosaiken in der Basilika St. Apollinare Nuovo und in der Kirche San Vitale. In St. Appollinare di Classis wollte Marco leider nicht mehr hinein.
Aber die Mosaiken in den anderen beiden Kirchen: Ein Genuß!! Mein lieber Herr Gesangsverein! Mosaikkunst vom Feinsten. Von Kaiserin Theodora habe ich mir ein Poster gekauft, das letzte seiner Art sogar. Im Mausoleum der Galla Placidia, in dem Knipsen nicht möglich und innen komplettamente mit Mosaiken überzogen ist, sind die Fenster aus dünngeschliffenem Stein. Von außen sieht es bescheiden aus, von innen scheint die Sonne durch den Stein hindurch und zeigt dessen Musterung. Dieses Art der Verglasung sollte mir noch bei mehreren Kathedralen begegnen.
Als n6auml;chstes kam das Mausoleum von Theoderich, des Dietrich von Bern aus der Nibelungen-Sage an die Reihe. Leider gab es da nicht viel zu gucken. Die Inschriften waren kaum erkennbar und bestimmt gab es da auch mal Mosaike. Aber imposant war es allemal. Dummerweise gab hier meine analoge Kamera den Geist auf und Marcos Kamera war die einzig verbleibende.
Jetzt wollten wir den Rubikon suchen, den Fluß, den Julius Caesar einst mit den Worten "Alea iacta est!" überquerte und in dem daraufhin folgenden Bürgerkrieg sich zum Chef von Rom aufschwang. Leider habe ich es mir nicht ausgedruckt, wo er denn zu finden sei. Wir haben ihn trotz Nachfragens auch nicht gefunden. Eine Gemeinde an der Autobahn mit dem Namen im Namen lag an einem Fluß, der zwar nicht der Rubikon war. Dort sind dennoch wir kurzerhand hingefahren und haben den Würfel geworfen, den der alte Caesar einst rhetorisch geworfen hatte.
Es ging weiter zum Etappenziel: Gubbio. Eine kleine, feine Stadt mittelalterlichen Flairs samt Stadtmauer, die sich an einer Hügelflanke anschmiegt. Ein römischen Amphitheater gibt es dort und auch Barbarossa war mal dort. Der Herr am Zeltplatz erzählte uns darüber allerlei und mehr noch über seine Erlebnisse in Gubbio während des WK2. Wir durchstreiften den schicken Ort, machten einige schöne Fotos und am Abend haben wir in der Kühle des Abends wieder eine Runde gepokert, Endstand: 5:1 für mich. Die Nacht war die kälteste auf unserer Reise.

Mi, 16.07.2008
51,5 km, Gubbio - Perugia - Orvetio - Lago di Bolsena

Perugia liegt wie viele Städte der Gegend auf einem Berg und sieht hübsch aus. Die Gemäldegalerie war uns zu teuer und so besuchten wir das Museum, dass auch besser strukturiert und ausgestattet sein könnte. Im kleinen Orvetio, dass auch auf einem Berg liegt, streunerten wir bei bei 33°C herum und standen vor einer tollen Kathedrahle mit Goldmosaiken an der Front und s/w gestreiften Seiten. Sowas haben wir in Guben nicht. In Bolsena machten wir Tagesendstation. Direkt an einem schicken Kratersee gelegen, lud dieser uns gleich zum Baden in seinem schönen Wasser ein. Süsswasserplanschen ist und bleibt viel schöner als Salzwasserplanschen. Abends gepokert, 7:1.

Do, 17.07.2008
91,3km, Bolsena - Pitigliano - Sovana - Sorano - Bolsena

All die genannten Orte liegen auf einem Berg, sind mehr oder weniger verschachtelt und verdammt alt und schön anzusehen. Manchmal kamen wir uns wie Eindringlinge in ein fremdes Wohnzimmer vor. Sovana hat eine schöne alte Kirche, in der einige Pfeiler nach außen neigen und deshalb schonmal nachgebaut wurde. Schließlich besahen wir uns noch etruskische Gräber, welche in Tuffstein gehauen wurden und wegen des hohen Verwitterungsgrades sehr unscheinbar sind. Abends gebadet und gepokert, 8:2

Fr, 18.07.2008
175 km, Bolsena - Monteanto - Ostia

Nach einem Bad im See am Morgen gings weiter auf die Via Aurelia in Richtung ROM. In Ostia, welches ganz schön runtergekommen wirkt (viel Müll etc.) fanden wir einen Zeltplatz quasi beim Meer. Wir sind schließlich doch noch nach Rom mits SBahn (sehr punkig) gefahren und das war gut so. Denn so konnten wir das Forum Romanum, den Palatin, den Konstantinsbogen, das Kolosseum, die Kaiserforen und Herrn Markus Aurelius Antoninus zu Pferde bestaunen und begaffen wie es nur geht. Verdammte Axt, das ist Architektur wie es nur eine imperiale Macht hervorzubringen versteht. Unglaublich. Und all die Inschriften! Ich war seelig. Allerdings bewiesen die Italiener ieder ihr Ungeschick in punkto Ausschilderung: Das Forum war weder vernünftig ausgeschildert, noch die Bauwerke oder die Inschriften erläutert. Rückzu haben wir den Bus von der SBahn zum Zeltplatz verpasst und mußten im Dunkeln am Straßenrand 2km laufen. Alles nur halb so schlimm, wenn die Autos nicht so rasen würden.

Sa, 19.07.2008
Rom

Diesmal haben wir uns St. Peter angesehen. Aber von außen, da uns die Schlange zu lang und die Sonne zu drückend war. Weiter zur Engelsburg (sehr imposant), zum Augustusmausoleum (Baustelle) und zur Siesta in einen Park zum Kartenschreiben und entspannen. Im Park war ein kleiner Teich, indem man mit einem Ruderboot herumrudern konnte. Weiter ging es zum Trevibrunnen, der sich auf auf einem Platz befindet, der kaum größer als der Brunnen selbst und voller Touris ist. Die spanische Treppe war ebenfalls mit Touris besetzt und es war zu heiß um die Stufen zu erklimmen. Eine imposante Siegessäule Mark Aurels mit vielen Reliefs haben wir durch Zufall endeckt. In einem Tabacchiladen haben wir Briefmarken gekauft und da hat sich der Verkäufer mit einem Gigilo (weißes Jacket, rote Bluse, wallendes Haar) in bester italienischer Klischeemanier unterhalten.

So, 20.07.2008
Rom

Diesmal beguckten wir uns das Pantheon, das unheimlich beeindruckend ist. Architektur vom allerfeinsten. Besonders der Lichteinfall durch das Loch in der Decke-toll! Auf Ansichtskarten sieht das gestellt aus, es ist aber nicht. Wir schlenderten noch etwas umher und dann wurde es uns zu heiß, um uns auch noch die via Appia und die Cracalla-Thermen anzusehen. Wir setzen uns in die SBahn und fuhren wir zum zeltplatz zurück. Dort stellten wir fest, dass Langfinger auf dem Zeltplatz unterwegs waren und unser Auto durchwühlt hatten. Denn die Dinge lagen nicht da, wo sie hätten liegen sollen. Mein Handy - im Auto gelassen, da es zur Akkuschonung aus war und so unnötige Last gewesen wäre - und Marcos i-Pod waren weg. Tolle Banane. Das hat dem Technikausfall die Krone aufgesetzt. Marcos altes Handy haben sie liegen lassen und meine Analogkamera auch. Vielleicht habe ich beim losgehen das Auto falsch abgeschlossen. Ich weiß es nicht. Wir waren aber nicht die einzigen, die beklaut wurden. Andere Zelte wurden aufgeschlitzt, durchwühlt, Scheiben eingeschlagen, Navis und Handies eingesackt etc. Was geschehen wa, konnten wir nicht rückgägig machen und wir gingen später zum Strand.

Mo, 21.07.2008
290 km, Ostia - (Grossetto)- San Vincenzo

Wir relativ zeitig losgefahren und haben die Polizei aufgesucht, nachdem wir am Vortag von einigen Betroffenden und von der Rezeption erfahren haben, dass man das machen sollte, damit es offiziell verzeichnet ist. Die Polizistin vom Dienst hat sich ordentlich viel Zeit gelassen mit uns, obwohl wir die ersten am Schalter waren. Sie holte ein Formular heraus, lies es liegen und ging weg. Irgendwann kam sie zurück und ging wieder, kam und ging und schließlich hat sie uns eben jenes Formular gegeben, welches nun schon geraume Zeit herumlag. Marco war gerade beim Ausfüllen, als sie zu uns kam, ihm das Formular wegnahm und uns eine schlechtere Kopie desselben Formulars gab.
Der Holländer, dem sie die Autoscheibe eingeschlagen und das Navi geklaut haben, kam kurz darauf auf die Wache. Wir hatten die Schnauze voll und wollten nur noch weg. Dreimal wäre uns beinahe einer ins Auto gefahren. So waren wir froh, als wir in San Vincenzo einen schicken Campingplatz mit Besucherkontrolle etc. auffanden und stürzten uns beruhigt in die tosende Brandung des Tyrrenischen Meeres. Abends wurde wieder gepokert, 9:5

Di, 22.7.2008
257 km, San Vincenzo - Siena - San Gimignano - San Vincenzo

In Siena waren wieder viel, viel Touris unterwegs, die alle den Dom und den Palio sehen wollten. Hier hat uns schon langsam die Sehenwürdigkeitenmüdigkeit beschlichen. Sehenswert und schön ists aber allemal. Eigentlich wollte ich noch nach Öllampen gucken, aber in dieser Gegend gab es sowas nicht mehr zu kaufen. In San Gimignano, der Ort mit den vielen Geschlechtertürmen, waren ebenfalls viele Touris unterwegs, während die Sonne vom Himmel brannte. Die Gassen waren zum Glück schattig.
Eines kristallisierte sich immer stärker heraus: Italien hatte zu Roms Zeiten einen ordentlichen Aufschwung, dann ging es während der Reconquista durch Ostrom in den Gotenkriegen zu Bruch, die Oströmer haben nur im Raum Ravenna den alten Glanz wieder belebt. Anschließend wurde es dunkel und um 1200-1400 ging es bautechnisch wieder in die Vollen. Danach war von Einzelheiten abgesehen wieder Ruhe im Schiff und die Italiener verlegten ihre Kreativität auf die Musik und heute auf Mode und Autos. Soweit meine Theorie.
Abends in der diesmal brachialen Brandung geplanscht und gepokert, 10:7

Mi, 23.07.2008
462 km, S. Vincenzo - (Pisa) - Florenz - (Bologna)- Riva del Garda

Es geht in Richtung Heimat. Bei Pisa sind wir gut durch die schlechte Ausschilderung durchgekommen und in Florenz haben wir auf einem Parkplatz einen km vor dem Ponte Vecchio (die Brücke mit den Häusern oben drauf) den letzten Stellplatz zugewiesen bekommen. Wir trotteten in die Stadt und bestaunten den Dom von außen. Wieder hinderte uns eine lange Schlange und die Hitze am Anstellen. Das gleiche bei den Uffizien. Obschon Botichelli ein gewichtiger Grund zum Anstellen ist. Achso, der Dom glänzt aber nur am Eingangsportal, an den Seiten und besonders hinten ist er dreckig. Den sollten den mal abschrubben, die Pfeifen! Wir liefen dann über den Ponte Vecchio und weiter zum Piazzo Pitti. Von da aus zurück zum Auto. Und überall säten nur langweilige Klamotten- und Schuhläden die Bürgersteige. Zwischendurch genehmigten wir uns einen Hamburger. Im Zubereitungsraum war die Frau vom benachbarten Backwarenraum immer zum Rauchen gekommen. Erschreckend. Aber die Burger waren lecker. Nunja, dann gings weiter bis zum Nordufer des Gardasees. Dort gibts ein schickes Städtchen in dem auch allerlei los war.

Do, 24.07.2008
980 km, Riva del Garda - Brenner - Großräschen - Guben

Nach knapp 12 stündiger Fahrt wieder daheim in Guben. Juhuu, wir haben es geschafft, allerlei Eindrücke mitgenommen, Wertvolles da gelassen, aber immer gesund geblieben.
Italia, wir sehen uns wieder.