Die Dunkelheit und das Licht


Während die Augen ihre Blicke auf einen leicht flackernden Bildschirm richten, erreicht die Dämmerung auf ihrer Reise um die Welt die Stadt. Das Licht des Tages zieht sich behutsam, hinter den Horizont zurück, es möchte die Vögel nicht erschrecken. Müde davon, den ganzen Tag eine Hälfte der Erdbirne zu beleuchten, kann es sich endlich zur Ruhe betten und süße Träume genießen. Dabei drängt das Licht die Dunkelheit, die den Tag über schlummert, hartnäckig aus dem weichen Federbett. In der Morgendämmerung werden die Rollen vertauscht. Dann ist Dunkelheit ist müde und schiebt das Licht aus dem warmen Bett. Der aufmerksame Leser mag sich fragen, ob die beiden überhaupt einmal die Bettwäsche wechseln. Er mag beruhigt sein, immer zu Vollmond, wenn das Licht müden Blickes die Nacht über aufbleibt, wechseln sie sie.
Dies ist das Bild, das ein jeder von uns hat, wenn er an die Dämmerung denkt. Doch was geschieht wirklich? Was und wer steckt dahinter, davor und daneben? Folgendes geht von statten.

Die Dunkelheit schläft ganz und gar nicht den Tag über, nein, sie fährt Fahrrad. Sie braucht keinen Schlaf. Auch das Licht schläft nicht, denn es will jeden Winkel der Erde mit sich ausfüllen. Um dies zu verhindern, denn die Bewohner dieses Planeten wollen schließlich auch mal schlafen, jagt die Dunkelheit mit ihrem Fahrrad dem Licht hinterher. Es soll keine ruhige Minute finden, um sich irgendwo festzusaugen. Wer in der Abenddämmerung aus dem Fenster sieht, kann die Dunkelheit vor den Häusern manchmal beim lautlosen auf- und abhüpfen beobachten. Warum sie dieses Verhalten dann und wann an die Dämmerung legt, ist noch nicht erforscht. Vielleicht hat sie ein vorbeifahrendes Gefährt mit lauter Hip-Hop Musike dazu animiert, wer weiß. Gewöhnlich schlägt sie Purzelbäume. Die Dämmerung ist dann erfüllt vom Wehklagen dieser hochgeschossenen Gewächse, die noch aus der Urzeit stammen. Doch die Dunkelheit schlägt sie nicht etwa, nein, nein, sie schüttelt das Licht ab, das an ihnen besonders gut und gern haftet. Die Dunkelheit benutzt dabei all ihre drei Armen, fünf Hälsen und sechs Beine-ein sehr amüsanter Anblick.

Mit fortschreitender Dämmerung gewinnt die Dunkelheit zumeist die Oberhand. Sie stampft das Licht, das nicht weichen will, in den Boden. Man möchte meinen, daß der Boden nach einer solchen Tortour steinhart ist, doch dem ist nicht so.
Jedoch kommt es öfters vor, daß, verstohlen spähend, hier und da, das letzte Licht aus ein paar verlassenden Maulwurfshügeln lugt. Die Dunkelheit schenkt, daß ist ihr Fehler und des Lichtes Glück, diesen unscheinbaren Schlupflöchern keine Beachtung. So nutzt das Licht Augenblicke der Unachtsamkeit aus und klettert aus ihrem Unterschlupf heraus. Aber gerade dann, als es den letzten der sieben Füße aus dem Maulwurfshügel zieht, um im Spurt zurück an den Himmel zu flitzen, stolpert die Dunkelheit über ihr unsachgemäß hingeworfenes Fahrrad, fällt hintenüber und auf das Licht.
Platsch!

Die Nacht ist hereingebrochen, daß Licht hat eine Beule am Kopf und der Dunkelheit schmerzt der Rücken.