Die Flucht - ein Traum vom 16.09.2001


Die Geschichte beginnt in einem Zimmer, dem ein beige-farbener Fellteppich zu Grunde legt. Ein Tisch mit weißer Tischdecke, der von einem grauen Sessel auf der einen und von einem ebenso gefärbten Sofa auf der anderen Seite, flankiert wird, macht seinem ureigensten Zweck, eine Unterlage zu sein, alle Ehre. Diesen nutzt ein Teller aus, der mit Wurstbroten auf dem Tisch steht. Die großen Wurstscheiben sind kreisrund und unter ihnen finden sich nur zwei Salamischeiben. Der Rest scheint Putenbrust oder Lyoner zu sein. Die ordentlich aufgestapelte kleinen Sirale schraubt sich, das Wasser im Munde zusammen-laufen lassend, herausfordernd in die Höhe. Alle Sitzgelegenheiten sind besetzt, weswegen ich mit einer zum Stehen begnügen muss. Marina sitzt auf dem Sofa und ein andere junge Frau, vielleicht Danijela, hat es sich auf dem Sessel bequem gemacht. Die Leute reden miteinander. Marina bemerkt, daß sie eigentlich keinen Hunger hat, da sie sich vorher an einer braunen, wässrigen Suppe, die vielleicht Pilzsuppe war, gelabt hat. Ich nehme mir eine Salamiwurststulle, wohl aus dem Grund, daß nur zwei von diesen auf dem Teller liegen. Nachdem etwas Zeit verronnen ist, der Magen gierig Nachschub fordert, überlege ich, ob die zweite und letzte Salami mir zum Opfer fallen soll. Doch bevor ich mich entschließen kann, wird sie von Danijela ergriffen, die sich wohl mit den gleichen Gedanken beschäftigte. Ich bin sichtlicht entsetzt, daß gerade sie mir das begehrte Ziel vor der Nase weggeschnappt.

Schnitt.

Ich liege auf einem Bett und mir gegenüber liegt eine junge, anmutige Frau mit braunem Haar, die ich nicht einzustufen weiß. Wir schauen uns ein Buch an, die Köpfe ganz nah beieinander. Ich gebe ihr einen Kuss auf die Stirn, bereue es aber gleich, da ich denke, daß ich damit wohl zu voreilig gehandelt habe. Ich ärgere mich über mich selbst, wieder eine Grenze zum für mich schlechteren Ausgang überschritten zu haben.

Schnitt.

Es herrscht Aufbruchsstimmung. Von meinen Fingern tropft Wasser, als ich in den kleinen Flur gehe. Nun erkenne ich auch, daß Roland dort ist. Ich möchte Marina einen kleinen Gänsehautschreck einjagen, indem ich mit meinen nassen Fingern ihren Rücken berühre. Fix ist das T-Shirt ein Spalt breit am Rücken hochgehoben und meine Hand streift ihren Rücken. Das Wasser ist aber lauwarm, als ich sie berühre. Der Streich misslingt auf der ganzen Linie. Wider nichts hinzugelernt! Sie dreht sich zu mir um:
"Was soll denn das? Außerdem ist das Wasser ja warm!"
"Habe ich auch eben bemerkt." gebe ich als Antwort zurück und verschwinde kurz in einem Zimmer um mir die Finger mit kaltem Wasser zu benetzen. Jedoch gebe ich es auf und ärgere mich schon wieder darüber, versagt zu haben. Als ich in den Flur zurück-komme erhalte ich die Quittung. Leise aber mit einer großen Portion Drohung in der Stimme faucht sie mir ins Ohr:
"Mach das nicht nochmal!"

Schnitt.

Wir flüchten. Es soll eine Versammlung der Proleten in der stattfinden, die zu allem Überdruss noch allesamt bewaffnet sind. Wir haben Angst und keine Waffen und spüren, daß schlechte Zeiten bevorstehen. Daher müssen wir versuchen die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen.

Nachdem wir über eine kleine Anhöhe gelaufen sind, macht sich vor uns eine Straßenbaustelle breit. Eine Autobahn soll dort gebaut werden um den Stadtverkehr schnell aus der Stadt führen zu können. Ich stelle fest, daß zwei Frauen, die anscheinend unserer kleinen Gruppe angehören, schon an der Baustelle stehen und überlegen, wohin uns der weitere Weg führen wird. Als ich in Rufweite zu den beiden bin, mache ich den Vorschlag, der schon halbwegs planierten Straße nach links zu folgen, um aus der Stadt zu kommen. Mein Rat wird angenommen. Völlig unerwartet muss ich feststellen, daß ich kaum noch laufen kann. Ich bin gezwungen, mich unter Schmerzen in gebückter Haltung fortzubewegen. Während ich versuche mich durch den nicht lockeren Sand zu schleppen, haben die beiden Frauen den anderen Fahrstreifen, der etwa einem dreiviertel Meter höher liegt, als Weg auserwählt. Sie fragen mich, warum ich nicht hoch komme. Ich sehe, daß sie auf festem, verdichteten Boden gehen und krabbele unter großen Anstrengungen herüber. Kaum bin ich wieder auf den Beinen, steht mein Bruder neben mir. Ich sehe auf dem Boden einen Kiesbrocken, einer der Sorte, die, wenn man sie wirft und sie auf den Boden aufschlagen, wie eine Granate zu explodieren pflegen. Meine Schmerzen sind für kurze Zeit verschwunden, als ich ihn aufhebe und werfe, und überlege ich noch, ob ich denn überhaupt dazu im Stande bin. Doch es funktioniert ohne Probleme, allerdings klatscht der Brocken ohne Splitter- und Staubfontäne auf den Boden auf. Leicht abwertende Bemerkungen erfüllen die Luft.

Schnitt.

Es ist bereits dunkel. Wir müssen von der Straße herunter und begeben uns durch ein Wohnviertel. Die Höhle des Löwen von Nemea, das Ghetto. Unser Weg führt an einer kleinen Böschung vorbei, auf der ein paar Bäume stehen. Vor uns beginnt eine freie Fläche und daran anschließend ein Block. Ich stolpere auf der Böschung über irgendwas, das mit einem Lichtblitz unsere Gruppe erhellt. Sie raunen mich an. Etwa zwanzig Prolls, die knapp zwei Dutzend Meter vor uns unseren Weg kreuzen, schenken dem Vorfall aber keine Aufmerksamkeit. Ihre Waffen funkeln bedrohlich im Licht der Straßenlaternen, daß mir Angst und Bange wird. Wir gehen weiter und verlassen den Gehweg um mit Hilfe eines Trampelpfades abzukürzen. Da taucht im blassen Schein der Laterne das Funkeln einer Pistole auf. Der Schreck fährt mir durch die Glieder. Der Mensch an der Waffe schießt ins Dunkeln links von mir. Die Angst muss mir im Gesicht gestanden haben, denn als er an mir vorüber geht, lächelt er mich mit überlegener Mine an. Ich bin froh, daß er nicht die Waffe auf uns gerichtet hat. Meinem Vater, der auf demGehweg läuft, um nicht dem Rasenlatschen frönen zu müssen läuft, werfe ich die Frage zu:
"Hast du dir sowas je vorstellen können?" herüber.
Er gibt etwas zurück, was ich nicht verstehe, das aber irgendwie bejahend klingt. Ich wundere mich, warum ihn die Situation, in der wir uns befinden, nicht weiter überrascht.

Schnitt.

Wir gehen einen Feldweg entlang der links wie rechts mit einer hohen Hecke begrenzt ist. Der Morgen dämmert. Ich schleppe mich mühsam um eine 90°- Kurve. Was macht das riesige, schlafende weiße Tier dort an der Laterne am linken und der liegende, große schwarze Hund am rechten Straßenrand? Ich bin verwirrt, versuche das weiße Tier einzuordnen, bis ich es als Eisbär identifizieren kann. Er steht auf. Ich bin erstaunt und entsetzt, denn ich habe noch nie zuvor einen Eisbär mit zwei Meter langen Beinen gesehen, der dazu noch einen Katzenbuckel nachahmt. Ich muss aufschauen, um so seine Größe erfassen zu können. Er blickt auf den Hund, der einen etwas kranken Eindruck macht. Doch dann schlägt er mit seiner Pranke nach mir, und erwischt mich am Bauch. Es kommt mir in den Sinn, daß ich noch viel kranker aussehen muss als der Hund. Ich blute zum Glück nicht. Todesangst erfüllt mich. Ich versuche vergeblich zu rennen. Doch ich kann mich nicht viel schneller schleppen als ich krauchen kann. Der Eisbär scheint zu überlegen ob er mir folgen, oder ob er mit seinem überlangen Armen nocheinmal nach mir ausholen soll. Er steht jetzt ganz nah bei mir, macht aber nichts. So kann ich irgendwie an ihm vorbeikommen. Ich schaue mich um, und bitte einem ebenfalls weißen Bären, der plötzlich zwischen mir und dem Eisbären steht, mich zu tragen, da ich dem Monstereisbären nicht entwischen kann. Dieser bewegt sich langsam auf uns zu. Ich blicke nach den anderen. Sie sind nicht mehr zu sehen. Der Bär und ich sind allein mit uns und der Angst. Er steht etwas unentschlossen herum, er weiß nicht, was er machen soll, sodaß ich ihn anschreie, er solle mich verflucht nochmal tragen, damit ich nicht zu Eisbärfutter werde. Der Bär scheint zur Besinnung zu kommen, er packt und beginnt zu laufen. Doch anscheinend nicht schnell genug, da ich versuche mitzulaufen, um die Geschwindigkeit zu erhöhen. Wir überqueren eine Brücke, über die uns der Eisbär nicht folgt. Er brüllt uns nur etwas zu, in der Art, daß er uns noch fangen wird.

Schnitt.

Ich stehe in einer Gartenanlage vor einem Garten mit rosa Zaun. Frau Richter, Rolands Mutter, steht mit einem rosa Fahrrad neben mir. Wir gehen auf die Laube zu. Drinnen sitzen Marina, Roland und die anderen. Sie packen ihre in Alufolie eingewickelten Stullen aus. Ich ziehe eine Rittersport Vollmich-Nuss aus der Tasche, öffne und zerkleinere sie. Sodann platziere ich die Schokolade auf einem Hocker. Ich stehe wieder.