Lars der Stegosaurier - ein Traum vom 10.12.2007


Der Wald ist dicht und die Luft feucht. Große grüne Blätter wachsen überall und lassen die Blicke kurz geraten.
Ich renne.
Die Blätter schlagen mir ins Gesicht und ich muß aufpassen, dass ich nicht über einen Ast stolpere und stürze. Ich blicke nach hinten und sehe schemenhaft ein Gesicht. Aber es sieht nicht gewohnt menschlich aus. Es hat menschliche Züge, die eines Homo sapiens meine ich, aber das war kein Homo sapiens. Es war ein Homo neanderthalensis. Oder heidelbergensis. Aber auf jeden Fall ein Urmensch. Und sie werfen Speere auf mich. Speere mit schwarzem Schaft und großer, scharfgewetzter Steinspitze. Sie zischen an mir vorbei. Ich kann es noch gar nicht fassen, renne aber weiter und plötzlich steht da ein Haus mitten im Wald.
Ein Holzhaus amerikanischen Stils; weiß getüncht mit roten Zinnen. Das Haus ist alt, etwas verfallen und schief. Fenster scheint es keine zu haben, zumindest nicht auf der Seite auf die ich zustürme. Ich öffne die ausgeblichene Tür und schlage sie hinter mir zu. Pong, pong. Speere treffen die Tür und bleiben darin stecken. Dann ist Ruhe. Ich sehe mich um. Es gibt nur ein Raum und gegenüber noch eine Tür und Fenster links und rechts. Ich sehe etwas huschen und begreife, dass ich in der Falle sitze. Aber nichts passiert. Ich warte ein Weilchen, dann öffne ich die Tür um nachzusehen. Nichts. Doch plötzlich erfüllt ein Surren die Luft, das immer lauter wird. Mehrere Speere fliegen auf mich zu und einer verfehlt mich nur knapp. Ich stoße einen Schrei aus und schlage die Tür zu. Jetzt habe ich die Nase voll, ich greife mir einen Speer, reiße die Tür auf, kümmere mich nicht um die Speere, die mich knapp verfehlen und schleudere einen ins Dickicht.
"Verpisst euch, ihr Penner!" schreie ich todesverachtend und voller Adrenalin in den Dschungel.
Mir wird bewusst wie unklug das war. Ich werfe einen Speer einfach in den Wald und stehe ohne Deckung da. Noch einmal sehe ich ein Gesicht - wie haben die Urmenschen nur überlebt, frage ich mich. Doch dann sind sie wie vom finstren Dschungel verschluckt und eine sonnenüberflutete Lichtung neben dem Haus beansprucht meine Aufmerksamkeit.
Indische Panzernashörner tummeln und rekeln sich in der wärmenden Sonne. Ich bin versucht den Speer, den ich in der Hand halte auf einen von ihnen zu werfen. Aber ich bringe es nicht übers Herz. Sonnenstrahlen erfassen auch mich und fasziniert, aber vorsichtig, beobachte ich die großen Tiere. Sie lümmeln herum und schwatzen. Dann hebt einer träge den Kopf. Ein verschmitztes, geradezu schelmisches Lächeln umspielt seine dicken Lippen, als er jemandem zuruft:
"Heh, Lars!"
Ich blicke in die Richtung, in der ich den angesprochenden vermute. Dort am Waldesrand neben einer saftig grünen Koppel, deren Zaun aus mittlerweile verwitterten Bohlen gezimmert ist, verläuft ein Feldweg. Auf dem Weg steht ein silbergrauer Van von Renault, auf dem ebenso faul wie die Panzernashörner ein Stegosaurus liegt. Das also ist Lars. Lars, der Stegosaurier. Er hat dunkle Haut, ganz so wie auf einem Bild aus einem Buch über die Urzeit, das ich noch aus meiner Kindheit kenne. So wie er aussieht, ist er nach altem Verständnis gestaltet, einem Verständnis, dass sich die Dinos aus behäbige, plumpe Wesen vorstellt. Dann schiebt sich Lars träge vom Van herunter und antwortet mit einem gelangweilten
"Mmmh?"
Ich sehe, dass er wirklich alt dargestellt aussieht. Hals, Bauch und Schwanz bilden eine gerade durchgehende Linie. Ich räuspere mich leise und bin versucht Lars auf seine falsche Körperhaltung hinzuweisen. Doch ich fürchte mich vor seiner mächtigen Gestalt mit seinen großen Rückenplatten und den stachelbewehrten Schwanz.
Das Panzernashorn grunzt vergnügt vor sich hin.
"Kennst Du schon den neuesten Witz?"
Lars guckt gelangweilt und spürt wohl, dass die Panzernashörner sich lustig über ihn machen wollen.
Das Panzernashorn aber prustet vergnügt:
"Was haben 10 Stegosaurier gemeinsam?"
Das Nashorn kann sich kaum noch zurückhalten.
"Mir egal."
brabbelt Lars genervt und stapft auf seinen großen Füßen weiter auf das Haus zu.
Noch bevor das Nashorn die Pointe bringen kann, schließe ich die Tür, damit Lars mich nicht entdeckt. Für einen kurzen Augenblick kann ich seinen Kopf durch das Fenster sehen und ducke mich.
Dann erschallt draußen das laute Gelächter, Gegrunze und Geschanufe der Indischen Panzerashörner.
Oh, nein! Jetzt habe ich die Pointe verpasst! Verdammt. Aber andererseits, denke ich noch, habe ich sie mir ja selbst ausdenken müssen, da ich das ja nur alles träume. So werde ich wohl nie erfahren, was 10 Stegosaurier so lustiges gemeinsam haben.